Mikrostromgerät Gesicht: so wendest du es richtig an

Kurz gesagt

  • Gereinigte, ölfreie Haut, dann großzügig wasserbasiertes Leitgel. Ohne durchgehend feuchte Schicht fließt kaum Strom, und dann ist die Reihenfolge auch egal.
  • Immer nach oben und von der Mitte nach außen, in ruhigen Zügen. Drei bis fünf Züge pro Bahn, Hals zuerst, Stirn zuletzt.
  • Fünf bis zehn Minuten reichen. Acht Wochen lang fünfmal die Woche, danach zwei- bis dreimal.
  • Die richtige Stufe ist die höchste, die sich nach nichts anfühlt. Kribbeln heißt zu wenig Gel, nicht zu wenig Leistung.
  • Danach Gelreste abnehmen, Serum und Creme wie gewohnt. Säuren und Retinol lieber an den Abenden dazwischen.

Das Gerät liegt seit drei Wochen auf der Ablage im Bad. Du hast es benutzt, ein paarmal, jedes Mal mit demselben leisen Zweifel: Mache ich das eigentlich richtig?

In der Anleitung standen vier Sätze und eine Zeichnung mit Pfeilen. Im Netz stand alles Mögliche. Der eine sagt nach oben, die nächste sagt kreisen, wieder jemand sagt, die Richtung sei ohnehin egal.

Also fährst du irgendwie. Und weißt hinterher nicht, ob das jetzt eine Anwendung war.

Die zehn Minuten am Gerät sind nicht der schwierige Teil. Schwierig ist alles, was direkt davor und direkt danach passiert.

Ich bin gelernte Kosmetikerin und habe diese Behandlung jahrelang an fremden Gesichtern gemacht, bevor wir Shinora gegründet haben. Der Ablauf, den ich damals gelernt habe, ist derselbe, den ich dir hier aufschreibe. Er ist deutlich unspektakulärer, als du vermutlich denkst.

Was passieren muss, bevor du das Gerät anschaltest

Mikrostrom braucht eine durchgehend feuchte, leitfähige Bahn zwischen Metall und Haut. Alles, was diese Bahn unterbricht, kostet dich die halbe Anwendung, ohne dass du währenddessen etwas davon merkst.

Reinige also zuerst, und zwar mit etwas, das keinen Film hinterlässt. Reinigungsöle, Balms und reichhaltige Nachtcremes tun genau das, wofür sie gemacht sind: Sie dichten ab. Sonnenschutz vom Tag gehört ebenfalls herunter.

Dann das Gel, und zwar mehr davon, als sich richtig anfühlt. Trag es in Abschnitten auf, erst die eine Wange, dann die andere, dann Stirn und Kinn, sonst ist der erste Abschnitt trocken, bevor du beim letzten ankommst. Eine erbsengroße Menge reicht für eine Wange, nicht für ein Gesicht.

Ein einfaches Ultraschallgel leistet dasselbe wie ein mitgeliefertes Leitgel. Eine Feuchtigkeitscreme nicht, weil Fett nicht leitet.

Und wenn du gegen Ende nirgends nachlegen musstest, war von Anfang an zu wenig drauf. Das ist mit Abstand der häufigste Grund, warum eine Anwendung nichts bringt.

In welche Richtung du fährst, und in welcher Reihenfolge

Die Regel dahinter ist banal. Du arbeitest gegen die Richtung, in die dein Gesicht über den Tag absinkt: nach oben und von der Mitte nach außen, nie zurück nach unten.

Setz das Gerät auf, zieh eine Bahn, heb es ab, setz wieder am Anfang an. Kein Hin und Her. Drei bis fünf Züge pro Bahn, und jeder Zug so langsam, dass du in Ruhe bis vier zählen kannst.

Eine Reihenfolge, die sich im Alltag bewährt hat:

  1. Hals, seitlich vom Schlüsselbein hoch zur Kieferlinie. Die Mitte lässt du aus.
  2. Kieferlinie, vom Kinn zum Ohrläppchen.
  3. Wange, vom Mundwinkel schräg nach oben Richtung Schläfe.
  4. Wangenknochen, von der Nasenfalte zur Schläfe.
  5. Stirn, von den Brauen zum Haaransatz, in senkrechten Bahnen.

Erst die eine Gesichtshälfte komplett, dann die andere. So siehst du zwischendurch im Spiegel, ob überhaupt etwas passiert, und das ist der einzige ehrliche Vorher-Nachher-Vergleich, den du zu Hause hast.

Der Druck bleibt dabei leicht. Du schiebst die Haut nicht, du gleitest über sie. Mehr Druck bringt nicht mehr Strom, sondern nur eine gereizte Wange. Was der Strom im Gewebe überhaupt anstellt, haben wir an anderer Stelle in Ruhe erklärt.

Welche Stufe die richtige ist, wenn du nichts spürst

Die Stufe wählst du nicht nach Gefühl, denn Gefühl ist hier kein Maßstab.

Fang auf der niedrigsten Stufe an und bleib dort in der ersten Woche. Danach gehst du eine Stufe höher, wenn die Haut ruhig geblieben ist. Die richtige Einstellung ist am Ende die höchste, die sich nach nichts anfühlt.

Ein Kribbeln ist kein Fortschritt.

Es zeigt an, dass der Strom sich an einer Stelle einen zu engen Weg sucht, und der Grund dafür ist fast immer zu wenig Gel. Am Hals und an dünnerer Haut gehst du ohnehin eine Stufe zurück, weil dort weniger zwischen Elektrode und allem darunter liegt.

VelvaLift

Ein Griff für Radiofrequenz, EMS und Mikrostrom, dazu Rot- und Infrarotlicht, damit die zehn Minuten nicht auf drei Geräte verteilt sind.

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Wie lange, wie oft, und wann am Tag

Die Herstellerangaben gehen weit auseinander, von zwei Minuten täglich bis zwanzig Minuten dreimal die Woche, und keine dieser Zahlen ist besser belegt als die andere. Dieselbe Verwirrung haben wir schon im ausführlichen Guide zu Mikrostrom im Gesicht auseinandergenommen.

Wichtiger als die Wahl ist, dass du bei einer Variante bleibst. Ein Plan, der sich durchhalten lässt:

Phase Häufigkeit Pro Anwendung
Woche 1 bis 8 5 Tage pro Woche 5 bis 10 Minuten
ab Woche 9 2 bis 3 Tage pro Woche 5 bis 10 Minuten
vor einem Anlass am Morgen desselben Tages 5 bis 10 Minuten

Morgens oder abends ist beides möglich, und die Antwort hängt davon ab, was du willst. Der Sofort-Effekt aus Durchblutung und abfließender Gewebeflüssigkeit hält Stunden, also bringt morgens mehr, wenn es um einen bestimmten Tag geht. Abends passt es besser in eine Routine, die sowieso stattfindet.

Zwei kurze Anwendungen pro Woche über zwei Monate bringen dich weiter als sieben lange in der ersten Woche und danach nichts mehr.

Wo du nicht hinfährst

Es gibt ein paar Stellen, an denen ein Stromgerät nichts zu suchen hat, und sie stehen selten vollständig in der Anleitung.

  • Direkt auf den Augenlidern. Die Haut dort ist die dünnste im ganzen Gesicht.
  • Über der Mitte des Halses, wo die Schilddrüse sitzt. Seitlich ist in Ordnung.
  • Auf entzündeter, offener oder frisch gepeelter Haut.
  • Über Metall im Behandlungsgebiet, etwa Fäden oder Implantaten, ohne vorher in der Praxis zu fragen.
  • In den ersten zwei Wochen nach Botulinumtoxin oder Filler im selben Bereich.

Ganz aus bleibt das Gerät bei einem Herzschrittmacher oder anderen elektronischen Implantaten, in der Schwangerschaft und bei Epilepsie.

Die Augenpartie selbst bleibt damit ein eigenes Thema, für das es ruhigere Geräte gibt.

Was danach auf die Haut kommt

Wenn du fertig bist, nimmst du die Gelreste ab, mit einem feuchten Tuch oder kurz mit lauwarmem Wasser. Ob du es stattdessen einziehen lässt, hängt davon ab, wofür das jeweilige Gel gemacht ist, und das steht auf der Tube.

Danach kommt der beste Moment der ganzen Routine. Die Haut ist gut durchblutet und noch feucht, und was jetzt aufgetragen wird, verteilt sich leichter als sonst. Also Serum, dann Creme, in dieser Reihenfolge und ohne Pause dazwischen.

Was du an diesem Abend weglässt: starke Säuren, hochdosiertes Retinol und alles, was für sich genommen schon reizt. Nicht weil der Strom sie unwirksam machen würde, sondern weil zwei Reize an derselben Stelle eine gerötete Haut ergeben und du dann nicht weißt, welcher davon schuld war. Die legst du auf die Abende dazwischen.

Wenn dein eigentliches Thema Rötungen oder ein unruhiger Teint ist, arbeitet dagegen nicht der Strom, sondern das Licht, zum Beispiel als Maske für Gesicht und Hals.

Und morgens gehört danach Sonnenschutz drauf, wie an jedem anderen Morgen auch. Wie weit Licht bei Falten wirklich kommt, steht im Guide zu LED-Masken.

Was auch die beste Technik nicht kann

Ich könnte dir jetzt schreiben, dass die Richtung deiner Züge über das Ergebnis entscheidet. Das wäre bequem, und es stimmt nicht.

Der Effekt direkt nach einer sauberen Anwendung ist echt, und er besteht aus Durchblutung und abfließender Flüssigkeit. Am nächsten Morgen ist er wieder weg. Das ist kein Anwendungsfehler, das ist die Bauart.

Was sich über Wochen verändern kann, ist die Kontur. Dazu gibt es bei Heimgeräten bisher nur kleine und kurze Untersuchungen, und wer dir an dieser Stelle eine klare Prozentzahl nennt, verkauft dir gerade etwas.

Ausgeprägte Erschlaffung mit echtem Volumenverlust bleibt eine andere Baustelle und braucht ein anderes Werkzeug. Dieselbe Geduldsfrage kennen wir aus dem Rotlichtbereich, wo die meisten Fehlschläge an Dosis und Abstand hängen.

Acht Wochen mit einem Protokoll sagen dir mehr als acht Monate mit sechs verschiedenen.

Dass du dir bei jeder Anwendung unsicher warst, liegt nicht an dir. Es liegt daran, dass kaum jemand aufschreibt, was zwischen dem Aufdrehen der Tube und dem Weglegen des Geräts eigentlich passieren soll.

Uns ist lieber, du weißt, warum du in eine bestimmte Richtung fährst, als dass du dich an eine Zeichnung mit Pfeilen hältst.

Nimm dir heute Abend die zehn Minuten und geh die Reihenfolge einmal bewusst durch. Danach sitzt sie.

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